6 Artists, 9 Instrumente, rund 2.300 Zuhörende und eine beseelte Stadt – das konnte man Freitagabend auf dem Theatervorplatz erleben. Niemand anderes als die österreichische Band Buntspecht stattete Jena im Rahmen ihrer Konstrukt 5 Tour einen Besuch ab und lud alle zum Tanzen ein. Sie empfingen die Zuhörenden pünktlich mit dem ersten Song, als viele noch mit Bier und Rhabarber-Limo auf den Platz gewuselt kamen. Lukas Klein, der Quasi-Bandleader der eher demokratisch funktionierenden Band, begrüßte die Masse dankbar – denn es sei nach Berlin das zweitgrößte Konzert der Band in Deutschland, wie er erzählte. Außerdem kam die Band gut erholt aus dem Backstage des Theaterhauses, dessen Gastfreundschaft außerordentlich angenehm gewesen sein soll. 

Da es keine Vorband gab, startete der Sommerabend vor allem weiter hinten im Publikum gemäßigt, dennoch vorfreudig fröhlich. Es war nicht zu eng und nicht zu warm und ab der ersten Minute schienen alle um mich herum die lebendige Live-Musik zu genießen, die über den Abend von Indie-Pop, zu Folk, Gipsy-Jazz und auch mal Balkan-Irgendwas schwanken sollte. So richtig lässt sich Buntspechts Musik aber in keine Schublade packen.

Gleich zu Beginn starteten sie mit dem beliebten Song “Im Fluss” des aktuellen Albums ein und alles sang mit. An Songs wie “Wenn du jetzt gehst” oder dem älteren Hit  “Unter den Masken” merkte man, welche Songs über die Jahre besonders zeitlos geblieben sind, egal ob sie vom fünften oder vom zweiten Album der Band kamen. Euphorisch tanzend, singend oder auch mal nur lauschend war das Publikum den ganzen Abend über. Man konnte sehr gut sehen, dass sich die Band über die letzten zehn Jahre eine treue Fangemeinde aufgebaut hat.

Einer meiner persönlichen Höhepunkte war die Varietät der Musizierenden und deren Instrumente, was man besonders an den vielen Soli spürte: Mehrmals übernahm Antonia Luksch am Cello gekonnt die Melodie oder aber Jakob Lang bespielte die Bühne neben dem E-Bass auch mit seinem Kontrabass. Florian Röthel brachte die Menschenmenge mit seinen Skills an Schlagzeug und Percussion zum Abgehen und auch Roman Geßler spielte eine nicht zu übersehende und -hörende Rolle mit Bariton-Saxophon (das allgemein deutlich zu kurz kommt in der heutigen Musiklandschaft, wie mir auffiel). Neben der Gesamtheit der Band brachte Florentin Scheucher Stimmung mit ansteckenden Tanzeinlagen, während und wenn er nicht gerade mit Klavier, Trompete oder Melodica den Frontsänger Lukas Klein begleitete. Diesem war es ebenfalls ein Leichtes, die Zuhörenden zu begeistern, mit seiner besonderen rauen und melodischen Tenor-Stimme.

Die Masse kam gen Ende mit dem 2023 erschienenen Hit “Majorelika” langsam zur Ruhe und die abdankende Sonne übergab die Stimmung den Taschenlampen, mit denen das Publikum nun die Band begleitete. Das Konzert verging viel zu schnell, aber auch österreichische Superstars brauchen ihre Pause und so beendeten Buntspecht ihr diesjähriges Konzert pünktlich mit der Zugabe “Vom Kopf der Hut”. Ich ziehe auf jeden Fall meinen Hut vor dieser gelungenen Performance und bleibe gespannt, was die Zukunft der Band bringen mag, denn diese Band ist ganz sicher immer im Fluss.