Battlerapperin Liser veröffentlicht bereits ihr viertes Album und eine so starke Frau darf nicht übersehen werden. Aber überzeugt euch selbst.
Liser, das steht für politische Texte, gemischt mit Sarkasmus und Lines, die immer on point sind. Dabei trifft man nicht auf reinen Rap: Auch Ausflüge in Richtung Punk, Rock und Elektro sind möglich.
Doch wer ist Liser überhaupt? Liser kommt aus Köln, und einige kennen sie vielleicht als Battle-Rapperin. Doch bereits seit 2017 veröffentlicht sie eigene Songs und seit 2020 etwa alle zwei Jahre ein neues Album. Inhaltlich dreht sich dabei vieles um ihre Aufarbeitung von Anfeindungen im Internet, Sexismus und Fatshaming. Aber es geht auch um feministische, anti-patriarchale und Mental-Health-Themen. Liser selbst sagt: „Meine Musik ist politisch, aber nicht freiwillig.“ Damit bringt sie zum Ausdruck, dass sie gerne auch mal unpolitische Musik machen würde, doch für sie steht die Aufarbeitung dieser Inhalte im Vordergrund. Gleichzeitig sind es genau diese Schwerpunkte, durch die sich viele mit ihr verbunden fühlen. Und ihre Songs empowern! Dabei sind ihre Tracks nicht immer nur voller harter Punchlines: Einige sind auch voller Emotionen, feinfühlig und gehen unter die Haut.
In ihrem Album Songs über Jungs von 2020 setzt sie sich thematisch mit klassischen Themen wie Beziehungen, Sexualität und toxischen Männern auseinander. Doch nach diesem Album stand für sie fest: Es wird keine „Songs über Jungs“ mehr geben. Und daran hält sie sich, wie vor allem auch ihr neues Album zeigt.
Ihr neues Album: All Tits, No Brains handelt weder von Herzschmerz noch davon, wie man einem Mann gefallen kann. Im Titeltrack ATNB (für “All Tits, No Brains“) geht es vielmehr darum, wie Frauen sich bewusst am sexistischen Klischee „dumm, aber hot“ bedienen, um daraus Erfolg zu schlagen. Doch genau dieser Erfolg scheint im Patriarchat eigentlich unmöglich: Wer als dumm abgestempelt wird, dem wird auch der Erfolg abgesprochen. Liser nimmt dieses Paradox auf und zeigt, wie Frauen solche Zuschreibungen heute gezielt für sich nutzen. So heißt es z.B.:
„Denn ich würd’ nicht ass shaken, würde es nicht funktionieren.“
Doch das bleibt natürlich nicht der einzige politische Song. Der Track Barbie legt nochmal einen drauf. Und der Titel ist hier keineswegs zufällig gewählt. Liser beschreibt mit dem Song, dass Frauen in der heutigen Welt zwar alles werden können, aber dennoch niemals so angesehen werden wie ein Mann. Sie werden weiter auf ihren Körper reduziert, sind nichts wert und wehe, man bekommt mit, dass eine Frau ihre Tage hat. Der Song Barbie trieft vor Gesellschaftskritik und greift damit auf, was uns der Barbie-Film bereits versucht hat zu verdeutlichen: Eine Frau kann im Patriarchat nie genug sein! Oder wie Liser rappt:
„Wenn ich gut bin, bin ich immer auch nur gut für eine Frau.“
Deutlich emotionaler wird es im Song Feigling, denn dieser wirkt wie ein Tagebucheintrag. Man hat das Gefühl, direkt in den Kopf des lyrischen Ichs zu schauen, in die Gedanken einer Person, die sich selbst nicht sonderlich gut leiden kann. Dabei wirkt der Song unfassbar ehrlich. Gleichzeitig erweckt er das Gefühl, dass man dem lyrischen Ich am liebsten deutlich sagen möchte: „Sei nicht so hart mit dir selbst!“
Und vielleicht sollten wir uns das alle ein wenig mehr selbst sagen!
Post Yap Clarity geht thematisch in eine ähnliche Richtung. Der Song beschäftigt sich mit dem Gefühl, in einem Gespräch zu viel gesagt zu haben, und dem Overthinken nach Gesprächen mit anderen. Auch dieser Song wirkt wieder unfassbar ehrlich und greift ein Gefühl auf, das viele kennen: Nach einem Abend mit Freund:innen im Bett zu liegen und alles nochmal durchzugehen, zu hinterfragen. Aber auch hier würde man dem lyrischen Ich gerne wieder sagen: „Sei nicht so hart zu dir selbst!“
Liser hat mit ihrem Album mal wieder gezeigt, dass Kritik laut und tanzbar sein darf. Sie macht klar, dass sich Musik nicht immer um Liebe und Jungs drehen muss, sondern durchaus auch gesellschaftskritisch sein darf. Wir finden: Ein so kritisches Album ist verdient, unser Campusradio Jena Album der Woche.
Foto: Paloma García de Juan