On Tour: Hörsaal Slam 2024

Am 6. Juni fand im Hörsaal 1 der Friedrich-Schiller-Universität der 13. Jenaer Hörsaal Slam statt. Mit einem voll gefüllten Saal, einer mitreißenden Moderation und einem Hörsaal voller elektrisierender Energie trafen Stars der Szene aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf lokale Talente und sorgten für einen unvergesslichen Abend.

Eingeleitet wurde der Poetry Slam von den Moderatoren Friedrich Herrmann und Toni Fischer. Die Stimmung war bereits aufgeladen, als sie dem Publikum den Ablauf und die Regeln des Slams erklärten: Insgesamt traten 8 Slam-Poet:innen an, wobei in jeder Runde zwei Kandidat:innen mit selbstverfassten Texten gegeneinander antraten. Requisiten waren nicht erlaubt, es zählte einzig und allein die Kraft der Stimme und ihre Emotionalität.

Zunächst wurde aus den rund 600 Zuschauer:innen eine Jury aus 8 Personen gewählt, die mit einer Kreis- oder Kreuz-Karte abstimmen konnten, welcher der beiden Performer aus jeder Runde weiterkommen sollte. Danach konnte der Slam richtig losgehen!

Die erste Runde eröffnete Mona Harry mit ihrem Text über Alice im Wunderland, der mit vielen cleveren Wortspielen und Witzen den Rechtspopulismus in unserer Politik und Gesellschaft thematisierte. Ihr Gegner Simeon Buß trug mit viel Ausdruck und einer fast schon melodischen Vortragsweise einen Text über ADHS vor. Auf humorvolle Art brachte er dem Publikum seine Schwierigkeiten mit ADHS im Alltag nahe und sorgte dabei für viele Lacher. Mit diesem Auftritt schaffte er es unter großer Zustimmung der Jury letztendlich auch ins Halbfinale.

Genauso humorvoll wie es in Runde 1 endete, ging es auch direkt in der zweiten Runde weiter: Dabei präsentierte Yannik Sellmann einen Text über Spieleabende und warum er diese kritisch sieht. Er bemängelte, dass die Menschen einfach Angst vor peinlicher Stille während eines Gesprächs hätten und deshalb das eigentliche Brettspielen nicht ernst nehmen würden. Mit viel Gelächter und einem riesigen Applaus gelang ihm ein perfekter Start in die zweite Runde. Gegen ihn trat Shafia Khawaja mit ihrem Text “weil ich ein Esel bin” an. Mit dem Esel als Metapher für People Pleasing – vor allem im Job – vereinte ihr Text viele Aspekte, mit denen sich wahrscheinlich die meisten identifizieren konnten: Grenzen setzen, unsere angeblich verweichlichte Generation und wenig erfreuliche Zukunftsaussichten. Ins Halbfinale schaffte es in dieser Runde Yannik und erhielt tosenden Applaus.

Runde 3 startete mit Aidin Halimi, der die deutschen Nationalsymbole sarkastisch kommentierte sowie die Art, wie “weich” Deutschlands Protestkultur ist. Stichwort: Woanders protestiert man, wir in Deutschland setzen ein Zeichen. Dem nächsten Poeten Andy Eckert gelang anschließend ein emotionaler Umschwung. Mit seinem Text über seine männliche Sozialisation und sein Schwul-sein berührte er das Publikum und regte insbesondere die Männer dazu an, sich ihrer Privilegien bewusst zu werden. Fast einstimmig wählte die Jury in dieser Runde Aidin ins Halbfinale.

Etwas ulkig wurde es danach in der letzten Runde bei Jan Schmidt, der verschiedene Tiere imitierte und dabei eine sehr lebhafte Performance hinlegte. Neben dem Thema Evolution appellierte er, dass das Leben darauf ausgerichtet sein sollte, dass alle glücklich sind. Wer könnte ihm da nicht zustimmen? Gegen ihn trat Marie Kummer an, die zum ersten Mal an einem Poetry Slam teilnahm. In ihrem Text über ihr Spirit Animal, den Angsthasen, trug sie eine lange Liste vor mit Dingen, die ihr Angst machen. Mit ihrem Appell, sich mehr zu trauen, berührte sie das Publikum und schaffte es ins Halbfinale.

Nach einer kleinen Pause kämpften sich Simeon Buß, Yannik Sellmann, Aidin Halimi und Marie Kummer durch das Halbfinale. Yannik und Marie schafften es letztendlich ins Finale und battelten sich in der finalen Runde um den ersten Platz. Yannik trat dabei mit einem Text über den katholischen Glauben an, den er selbst zwar nicht ganz verstand, der aber seinen Eltern in schweren Zeiten sehr geholfen hat. Maries Text handelte von ihrem Praxissemester im Lehramtsstudium, ihren Zweifeln während dieser Zeit und darüber, den Mut zu fassen, an sich selbst zu glauben.

Nachdem die beiden Finalist:innen ihre Slams vorgetragen hatten, war die Spannung im Raum kaum auszuhalten. Es war ein unglaubliches Kopf-an-Kopf-Rennen, und selbst die Jury zeigte in ihrer Abstimmung einen Gleichstand. Die finale Entscheidung für den Gewinner sollte schlussendlich der Applaus des Publikums treffen – und dieser hat für sich gesprochen! Unter tosenden Ovationen wurde Marie Kummer zur Gewinnerin des 13. Jenaer Poetry Slams gekürt und gewann einen kleinen Schiller sowie einen kaputten Text. Wenn wir also etwas aus diesem Abend mitnehmen: Traut euch ruhig mal mehr!