Theaterrezension: Ich bereue.

Selina war bei der Weltpremiere von Ich bereue. das neuste Stück am Theaterhaus Jena. Wie mit dem Thema Reue umgegangen wird und ob sich der Gang ins Theater lohnt erfahrt ihr hier.

Matijs Jansen & Walter Bart
Bildquelle: Pressematerial Theaterhaus Jena

Reue, die: Substantiv, feminin. “Tiefes Bedauern über etwas, was nachträglich als Unrecht, als [moralisch] falsch empfunden wird.” So steht es im Duden. Aber lässt sich Reue, lässt sich das Bereuen des eignen Handelns wirklich so einfach beschreiben?

Einige Mitglieder von Wunderbaum sind durch Europa gereist, um dieser Frage nach zu gehen und den Untersuchungsgegenstand Reue genauer zu erforschen.

Das Stück “Ich bereue.” beginnt ruhig und intim. Die beiden Schauspieler Walter Bart und Matijs Jansen treten vor den schwarzen Vorhang, welcher den Blick auf die Bühne verbirgt. Wie auch im restlichen verlauf des Stücks schlüpft Bart in die Rolle eines Menschen, der über seine Reue spricht, während Jansen Fragen stellt und nach hakt.

Das erste Gespräch zwischen den beiden klingt, als hätte man es in einer Kneipe überhört, wo zwei Freunde allein an einem Tisch in der Ecke sitzen und der eine beginnt über seine Vergangenheit zu sprechen. Jansen stellt sanfte, vorsichtige Fragen und gibt Bart Zeit seine Antworten zu wählen.

Am Ende dieses ersten Gesprächs zerschlägt ein E-Gitarren-Riff die intime Stille und der Vorang lüftet sich. Die Bühne ist zum Set einer Talk-Show hergerichtet, auf der linken Seite der Bühne stehen zwei Sessel neben einander, dahinter hängt in großer Leuchtschrift der Titel des Stücks “Ich bereue.” Weiter rechts steht ein Klavier, an dem Oliver Jahn Bart während seiner Gesangseinlagen begleitet.

Matjis Jansen spielt die Rolle des Talk-Show Hosts, während Walter Bart von einer Rolle in die nächste schlüpft. Bart schlüpft unter anderem in die Rollen eines Familien Vaters aus der Mittelschicht, der die Chance auf 1,5 Millionen in den Sand gesetzt hat oder in die des niederländischen Politiker Joram van Klaveren, der lange Islamgegner war, der nun aber zum Islam konvertiert ist.

Dieses Talkshow-Format ist ein krasser Gegensatz, zu der ersten Szene. Talkshow-Host Jansen will seine Gesprächspartner nur einen Satz sagen hören. “Ich bereue” Von der anfänglichen Intimität ist nichts mehr zu spüren und während Jansen auf Biegen und Brechen versucht diesen Satz aus seinem Gegenüber regelrecht herauszuprügeln. Bleibt Bart stoisch und lässt genau diesen Satz keinem seiner Charaktere über die Lippen kommen.

Gesangseinlage von Bart, mit Oliver Jahn am Klavier
Bildquelle: Theaterhaus Jena

„Ich bereue.“ ist mit viel Witz geschrieben, Jansen und Bart fallen oft aus ihren Rollen heraus und kritisieren das Verhalten des jeweils anderen. Der eine will partout nicht bereuen und der andere scheint nichts anderes zu können.

Es ist also für jede und für jeden im Publikum eine Position vertreten, die nachvollziehbar ist. Aber egal auf welcher Seite man anfangs steht, es beleibt einem nichts andres übrig, als das eigene Verständnis von Reue zu hinterfragen. Was nützt es die eigene Reue in der Öffentlichkeit zu beteuern? Macht es einen der Masse gegenüber sympathischer? Ist es da nicht „ehrlicher“ die eigne Reue nicht auszusprechen, anstatt sich damit die Gunst der anderen sichern zu wollen? Ist es überhaupt noch wert etwas zu bereuen, wenn man jede seiner Handlungen bereut?

Was am Ende die „richtige“ Entscheidung ist beantwortet das Stück nicht. Das kann es auch nicht. Bereuen ist eine privat Angelegenheit.

„Ich bereue.“ ist ein unterhaltsames Theaterstück, mit Humor, Musik und einem – wenn man es denn so nennen kann – Happyend. Man verlässt das Theater mit mehr Fragen, als Antworten und jeder Menge Gesprächsstoff. Ein Stück für jeden und jede, denn wer hat denn noch nie etwas bereut?

Termine

21.03.2019 // 22.03.2019 // 23.03.2019 // -> alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr

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