Florian Paul & die Kapelle der letzten Hoffnung sind eine Band, die viele mehr oder weniger heimliche Fans im Campusradio hat. Spätestens seit ihrem neuen Album “Kein Zurück”, das jüngst als Album der Woche gekürt wurde, ist die Band den meisten ein Begriff. Dabei entfaltet sie ihren vollen Charme erst bei ihren Live Shows. Wir waren beim allerersten Konzert zum neuen Album und berichten.
Da steht er nun, die Haare in Zotteln, und reckt das Tegernseeer Bier in die Höhe, während seine Band mit dem Song Bar Kalypso die Halle in Leipzig zum Beben bringt. Die Rede ist von Florian Paul, der mit seiner Band, der Kapelle der letzten Hoffnung zu ihrer fulminanten Release-Show ihres inzwischen vierten Studioalbums “Kein zurück” in Leipzig zu Gast war. Doch alles der Reihe nach. Als wir um kurz vor acht den Anker betreten, ist der Saal schon gut gefüllt. Los geht es dann mit Matt Kovac, einem aufstrebenden Künstler aus München. Der junge Musiker, er wirkt kaum älter als 25, sieht aus wie jemand, der sich nicht zwischen classic rock und country entscheiden kann – bis er die Blockflöte rausholt und virtuos barocke Arien zum Besten gibt. Das Publikum zeigt sich interessiert. Los geht es dann wenig später mit der Band des Abends.
Besonders schön macht das Konzert zunächst das Bühnenbild: Im Hintergrund drei leuchtende Kreise, die je nach Song unterschiedlich erscheinen. Mal komplett erleuchtet, mal mit farbigem Rand, mal ganz dunkel sorgen sie für visuelle Abwechslung. Beim Song Amerika wird die Bühne in rot und blau getaucht, ein anderes Mal sind die Lichter alle aus und man kann die Schatten der Band nur erahnen. Bei fast jeder Beleuchtung gut sichtbar ist allerdings das große Logo der Band auf dem Klavier. Wer vergessen hat, wo er sich gerade aufhält, findet spätestens hier immer eine Antwort.
Beim Anblick der Band sind wir kurz verleitet, uns ein Hemd überzuwerfen, nonchalant den oberen Knopf offen zu lassen und uns auf der Bühne dazuzustellen. Outfittechnisch würde es kaum auffallen. Musikalisch wahrscheinlich schon, immerhin ist die Band mit Hannah Wiese am Bass, Giuliano Loli an den Keys, Johannes Rothmoser an den Drums und Nils Wrasse an verschiedensten Saxophonen bereits gut besetzt. Zu erkennen sind Florian Paul & die Kapelle der letzten Hoffnung aber auch an ihrem einzigartigen Sound. Zwischen Chanson, Jazz und Indie-Pop oder -Rock lässt auch das neue Album “Kein zurück” bekannte Töne hören. Im Anker spielen Florian Paul und die Kapelle eine bunte Mischung aus alten und neuen Songs: Da ist Die blaue Katze, eines der allerersten Stücke der Gruppe, das das Publikum im dreiviertel-Takt in einen lauen Sommerabend in Paris versetzt, Kir Royal inklusive. Urlaubsfeeling kommt auch bei Blick aufs Meer auf, oder Amerika, zwei Songs vom neuen Album, die den Saal in Tanzlaune bringen. Es ist ein musikalisches Publikum, das an diesem Abend in Leipzig zusammengekommen ist, spontane Mitsing-Parts klingen erstaunlich harmonisch. Der Anfangs etwas zurückhaltende Vibe wird im Laufe des Abends immer ausgelassener, man merkt der Band an, dass die Anspannung langsam abfällt. Das mag auch an der guten Stimmung im Saal liegen, Fans aller Altersklassen sind heute Abend versammelt, um das Tanzbein zu schwingen und den Release mitzufeiern. Es erklingen jedoch auch melancholische Töne. Große Balladen wie Vor deinem Fenster oder Kein Zurück ergänzen die Setlist und zeigen einmal mehr, wie vielseitig die Band doch ist. Vor dem wortgewaltigen Song Halt mich fest teilt Florian Paul eine kleine Anekdote: Die Single hätte es in eine Sprachenlern-App geschafft und werde seitdem in aller Welt gehört. Die Band bekäme regelmäßig Feedback, dass mit diesem Song nicht nur deutsch gelernt werden würde, sondern auch eine neue Wertschätzung für die deutsche Sprache entstünde. Auch in der Zugabe wird es zunächst ruhig: Auf der Bühne führen Florian Paul und Giuliano Loli gefühlvoll die Unterhaltung zweier Freunde, die sich nach Jahren der Distanz in einer Bar wiederfinden. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten mit dem Mikro werden von Florian Paul charmant wegmoderiert, alle im Publikum kennen spätestens jetzt die Schönheit des Am7-Akkords.
Das geht alles vorbei, singt Florian Paul im gleichnamigen Song, und so ist es auch mit diesem Konzert.
Mit Bella Maria geht es nochmal richtig ab und wir schließlich mit einem Ohrwurm nach Hause, der zeigt: Die Album-Release-Show von Florian Paul & die Kapelle der letzten Hoffnung im Anker in Leipzig war ein voller Erfolg.