Musik kann schön sein, was ein allgemein bekannter Fakt sein sollte. Das allerdings diese Schönheit zusammen mit einer Prise Humor sich gut ergänzt, ist vielleicht nicht alltäglich präsent. Musikeule Tim hat für diese Woche das verspielte neue Release Allesfresser von Alex the Judge genauer unter die Lupe genommen.
Alex the Judge ist ein Solokünstler, der sich gerne ausprobiert. Besonders wenn es darum geht, sich neuer Herausforderungen anzunehmen. Passend dazu hat er sein Debütalbum Allesfresser betitelt, auf welchem er Zuhörenden ein musikalisches Buffet auftischt. Hier vereinigen sich humoristische Absurdität mit entwaffnender Herzlichkeit zu einer aromatischen Mischung.
Der Südtiroler mit bürgerlichen Namen Alexander Richter wächst in Brixen auf, einer malerischen und geschichtsträchtigen Stadt in Tirol. Schon von Kindesbeinen an ist die Musik ein ständiger Begleiter in seinem Leben. Mit sechs Jahren beginnt er das Cello zu spielen, gefolgt vom Sammeln an Erfahrung in mehreren Bandprojekten in den Jugendjahren. Stilistisch wird sich zwar noch ausprobiert, jedoch ist eines dem jungen Alexander schon früh klar: Sein Lebensmittelpunkt wird das Musizieren sein. Der Fokus verlegt sich nach und nach von Instrumenten auf Gesang, Rap und Songwriting. 2018 macht sich Richter in der lokalen Szene von Südtirol aktiv, insbesondere mit seiner Live-Band The Forbidden Fruits. Die Arbeit zahlt sich aus, fünf Jahre später gewinnt der Musiker 2023 den Euregio-contest der Musikplattform UploadSounds und wendet sich danach der Arbeit an seinem neuesten Album zu.
Allesfresser ist in mehrerlei Hinsicht ein “First” für Alex the Judge. Es ist sein Debüt, und dazu auch noch das erste Werk mit deutschsprachigen Texten in seinem Katalog. Der künstlerische Schaffensprozess des Albums findet mit Mitgliedern der Live-Band The Forbidden Fruits statt, vor allem Fabian Pichler in der Produzentenrolle trägt maßgeblich Einfluss. Der Sound des Projekts erinnert an warme Sommerttage, neben dem Indie-Pop und Rap-Versen gibt es auch hörbare Anflüge von RnB und Soul. Die inhaltliche Thematik ist vielseitig, der Allbumtitel Allesfresser bezieht sich nicht nur auf eine kulinarische Bedeutungsebene. Viel mehr geht es um Lebensgefühl der Gen-Z-Generation, einer Existenz geprägt von Reizüberflutung und allerhand anderer Probleme.
Schon der Titeltrack des Projekts bezieht sich auf das Herabschauen auf Verletzlichkeit und dem Aufzwängen von Gefügsamkeit. Der fröhliche Funk-Style in den Melodien der Synthesizer unterstreicht, dass humorvoll auf die eigene Aussichtslosigkeit geschaut wird. Der anschließende Song geht noch dümmer führt den satirischen Erzählstil weiter. Hier wird sich über den Selbstoptimierungsdruck der modernen Welt ausgelassen, der mit der Abschottung in die extreme Dummheit endet. Bei dem Hören der herrlich bescheuerten Lyrics und überzogenen Ad-Libs ziehen sich die Mundwinkel unwillkürlich nach oben. Schön berührend dagegen geht auf dem Track Autogrill zu, welcher die Notwendigkeit der Auszeit darlegt. Die minimalistische und doch treibende Percussion zusammen mit den sanften Pianoakkorden zeichnen das Paradiesbild einer ruhigen Autobahnraststation.
Innerhalb von 13 Tracks hat Alex the Judge in seiner Debütveröffentlichung Allesfresser bewiesen, dass mit einer stilsicheren Vision viele Herausforderungen überwunden werden können. Bei einem solchen Hochgenuss hat es verdient einen Platz beim Campusradio Jena Album der Woche.