Wir haben wirklich lange darauf gewratet, um genau zu sein haben wir 12 Jahre gewartet. Doch jetzt ist es da: das neue Album von Marteria Zum Glück in die Zukunft 3 und damit auch der Abschluss der Zum Glück in die Zukunft Reihe. Mehr zu dem Album hören wir jetzt von Eule Wanda.

Sind kein Match, doch spiel’n Tennis, großes Tennis dieses Gefühl können bestimmt einige von euch nachempfinden, wenn sie an ihre derzeitige oder vielleicht auch letzte Situationship denken. Toxische Dating-Muster scheinen aber nicht nur ein Problem der Gen-Z zu sein, denn auch der 43-jährige Rapper Marteria verarbeitet dieses Gefühl mit genau solchen Lines aus dem Track L.I.E.B. in seinem neuen Album Zum Glück in die Zukunft 3.

„Eigentlich wäre ich ja Fußballprofi geworden, hätte ich mir nicht das Knie verletzt.“ Vermutlich hat jeder von uns diese Aussage schon mal von einem Bekannten gehört. Viel seltener hört man hingegen: „Ich war Fußballprofi, aber habe meine Karriere dann abgebrochen, um reisen zu gehen und zu modeln.“ Denn so oder so ähnlich könnte man den Werdegang des allseits bekannten Rappers Marteria, bürgerlich Marten Laciny, beschreiben. In den 80ern in Rostock geboren, in seiner Jugend als Kapitän der Nachwuchsmannschaft des Hansa Rostock und in der DFB-U17 gespielt. Und dann ein radikaler Wechsel, Abbruch der Sportlerkarriere und Modeln in New York City und der Versuch einer Schauspielkarriere. Danach das vorsichtige Herantasten an die Musik und eine Karriere als Deutsch-Rapper, und das mit Erfolg. 2010 gelang ihm mit seinem Album Zum Glück in die Zukunft der Durchbruch und spätestens ab 2012 kennen ihn dank der Hymne Lila Wolken wirklich alle. 16 Jahre später, bekommen wir endlich einen Abschluss der Trilogie mit Zum Glück in die Zukunft 3.

Und damit wären wir auch schon direkt bei der ersten Besonderheit: ein Album, das auf zwei vorherigen aufbaut. Das bedeutet natürlich auch eine ganz andere Erwartungshaltung an die Tracks und Marterias Wortgeschick. Wie auch in den beiden Vorgänger-Alben, verarbeitet Marteria auch hier wieder die wichtigsten Ereignisse seines Lebens der letzten Jahre.
Die grundlegende Idee der Trilogie ist also unverändert. Doch was direkt auffällt: Der Ton hat sich weiterentwickelt. Während die ersten beiden Alben mit starken, prägnanten Beats und Lines wie jetzt wird Goethe zitiert – also Faust hoch überzeugen und insgesamt mehr Diversität an Emotionen in den einzelnen Tracks zeigen, wirkt zum Glück in die Zukunft drei im ersten Moment doch eher wie die vertonte Midlife-Crisis des 43-jährigen Rappers. Beim weiteren Hören wird aber klar: Es ist die ehrliche, ungeschmückte Betrachtung von Marteria´s letzten 16 Jahren. In Tracks wie 9 Leben (Eins übrig) oder PROBLEMMARTEN reflektiert der Rapper seine persönlichen Hochs und Tiefs der letzten Jahre und die vergangene Alkoholsucht. Besonders emotional auf dem Album des Rostockers ist der vorletzte Song Platz für uns beide, den Marterias Sohn Louis aka luzey featured. Während in Zum Glück in die Zukunft 2 noch über Louis Geburt gerappt wird, steht er jetzt gemeinsam mit seinem Vater auf der Bühne – ein Full-Circle-Moment also. 

Auch wenn sich der Ton des letzten Teils der Trilogie verändert hat und vielleicht nicht den Marteria von vor 10 Jahren spiegelt, zeigt das Album uns eine reflektierte, reifere Version des Rappers, sowohl persönlich als auch in seiner Musik. Während andere Künstler*innen immer wieder versuchen, möglichst stark am ursprünglichen Stil festzuhalten, traut sich Marteria die Weiterentwicklung seines Sounds – ein besonders passender Abschluss dieser Ära und damit unser Campusradio Jena Album der Woche.  

Bildrechte: Marteria