Nach einer langen Pause meldet sich die Band OK KID mit einem neuen Album zurück und wir sind gespannt, ob sie sich in den letzten Jahren verändert haben oder ob sie noch vertraut klingen.

OK KID ist eine Band, die ursprünglich aus Gießen kommt. Und das erkennt man: Nicht nur widmeten sie den Song Stadt ohne Meer der Stadt, sondern gründeten 2018 auch das Stadt ohne Meer-Festival in Gießen. Bei diesem trat dieses Jahr, pünktlich zum Album Release, auch OK KID selbst auf.

Gegründet wurde OK KID 2006, bestand damals aus 5 Personen und hieß noch Jona:S. Doch 2011 traten 2 Mitglieder aus und das Trio benannte sich um in OK KID. Heute besteht die Band aus: Jonas Schubert, Moritz Rech und Raffael (Raffi) Kühle. Zwei Jahre nach ihrer Umbenennung brachte die Band ihr erstes Album OK KID raus. Einen ähnlich kreativen Titel bekam auch das zweite Album: Zwei. Doch trotz des weniger kreativen Titels, kam das Album in Deutschland und Österreich so gut an, dass es in beiden Länder in den Top 10 der Albumcharts landete. Danach hatte die Band anscheinen Blut geleckt und es folgten weitere Alben, Konzerte und Features, z. B. mit der Band Querbeat. Und dann? Dann kam der Frühling 2024 und OK KID kündigten eine Pause an. In dieser gab es weder neue Musik, noch Social Media Content der Band. Jetzt, zwei Jahre, später sind sie mit ihrem neuen Album zurück.

Komm, wir bleiben stehen. So lautet der Titel des neuen Albums. Die Band sagt selbst über das Album, dass es nicht nur in ihrer Pausenzeit entstanden ist, sondern das Album selbst den Moment des Innehalten zum Ausdruck bringt. Dabei beinhaltet das Album nicht nur diese Gefühle, sondern beschreibt, wie man es von der Band nicht anders erwartet, auch aktuelle gesellschaftliche Probleme. So fällt besonders der Song Rave On auf, denn das 34-Sekündige Intro ist von Luisa Neubauer eingesprochen und in dem Text fallen Lines wie:

Brauner Sumpf in unserer Gegend,

wo die Kinder laufen lernen

Klauen sie hungrige Herzen,

haben sie einfach blau gefärbt

Doch das ist nicht der einzige Moment des Albums, der unter die Haut geht. Wer das Album in korrekter Reihenfolge hört, dem fällt direkt zu Beginn etwas auf: Die ersten drei Songs heißen Hoffnung Stirbt 1, Hoffnung Stirbt 2 und Hoffnung Stirbt 3. Und das besondere ist, dass die Songs nicht nur thematisch zueinander passen und sich mit dem Thema Hoffnung auseinander setzen, sondern sie auch musikalisch aufeinander aufbauen. So fällt gar nicht auf, dass man nach dem 1. Song schon in Song 2 ist und so weiter. Dabei wirken die drei Songs eher wie ein langer Song, allerdings scheinen die Texte eine Fortsetzung voneinander zu sein. Und auch hier bekommt man das Gefühl, dass die Gesellschaft und der aktuelle Wandel dieser beschrieben wird und die Hoffnungslosigkeit vieler wird beim Wort genannt. Songs, die ins Herz gehen.

Und diese Gesellschaftskritik bleibt nicht die einzige auf dem Album. In dem Song Wie Ein Echter Mann setzt sich OK KID kritisch mit dem stereotypischen Mann auseinander, so heißt es im Refrain:

Wir hab’n uns’re Gefühle geschluckt
Fühlt sich an wie Dynamit in der Brust

Doch das Album beinhaltet nicht nur schwere Songs, besonders der Song Farbfilm steht im Kontrast zu den kritischen Liedern. Hier ist die Stimmung deutlich fröhlicher. Dabei erinnert nicht nur der Titel Farbfilm an den Song von Nina Hagen, auch in dem Song wird mit dem Vers

Ich hab den Farbfilm vergessen

bewusst dieser Zusammenhang hergestellt.

Und nachdem der Song Stadt ohne Meer über Gießen ging und in einer Line auch die Postleitzahl von Gießen nicht fehlen durfte, hat OK KID mit dem Song 50823 wieder einen Song über ihre neue “Heimatstadt” geschrieben. Denn seit einigen Jahren ist die Band in Köln zu finden.

Und nach diesen wirklich gelungenen Songs, bildet das Outro ein gelungenes Ende des Albums. Denn beim Hören fühlt es sich fast so an, als würde man nach einem langen Abend nach Hause gehen.

Darf man so? Wir finden man darf. Das Album verspricht Gänsehautmomente, regt zum Nachdenken an und klingt dabei vertraut nach OK KID. So aus einer langen Pause wiederkommen, dass muss man erstmal schaffen. Wir finden, damit ist Komm, wir bleiben stehen von OK KID sowas von verdient unser Campusradio Jena Album der Woche!

 

 

Bild: Kristina Wolf