Die Stadt Jena kann sich mehr und mehr der Buntheit erfreuen. Grüne Rasenflächen und bunte Blumenmeere nehmen stetig das Stadtbild für sich ein. Man spürt förmlich, wie die Menschen und die Natur den Winter von sich abschütteln. Für diese Vielfalt der neuen Jahreszeit hat sich Musikeule Tim ein neue Musik rausgesucht – es ist die Band AySay mit ihrem neuen Release “Mal”.

Kooperation kann so schön sein. Besonders wenn sie zwischen Parteien aus sehr unterschiedlichen Lagern stattfindet. Beim Band-Trio AySay vermischt sich kurdischer Folk mit dänischen Indie und

kreiert eine hypnotisierende Mixtur. Geleitet wird das Projekt von der Sängerin Luna Ersahin in stetiger Zusammenarbeit mit den Musikern Aske Bendixen und Carl Hosbond.

Der Ursprung der Band lässt sich auf die Stadt Aarhus in Dänemark zurückführen. Luna Ersahin wächst mit dänisch-kurdischen Wurzeln auf und beginnt dadurch sich mit ihrer kulturellen Identität zu beschäftigen. Sie thematisiert die Uneindeutigkeit ihrer kulturellen Zugehörigkeit in ihrem musikalischen Schaffen und zeichnet sich durch ihre Willensstärke und Disziplin im Musizieren aus. 2015 trifft sie auf die beiden dänischen Musiker Aske Bendixen und Carl Hosbond. Aus der Begegnung entwächst organisch als erste Phase das gemeinsame Jammen und Mixen von Stilrichtungen. Nach Jahren des Experimentierens etabliert sich das Musikertrio als Band 2018 bei einem Konzertauftritt in Aarhus. Diese Entscheidung sollte sich als die richtige erweisen, AySay gewinnt an Anerkennung und bringt seitdem hochgelobte Veröffentlichungen zustande.

“Mal” ist das dritte Release des begabten Trios und lässt sich aus dem Kurdischen als “Heimat” übersetzen. Heimat ist das zentrale Thema auf dem neuesten Album von AySay. Das Projekt besteht aus Liedern, welche dem Zuhörer ein Stück Geborgenheit trotz der Zerwürfnisse des Weltgeschehens der letzten Jahre geben soll. Diese Geborgenheit drückt sich neben der Fusion von Indie und Folk in der stärkeren Einbindung von Elementen des psychedelischen Rock aus den 70ern aus. Beginnen tut das Album mit einer Liebesbekundung an die Stadt Istanbul auf dem Song “Yârimsin”. Der sehnsuchtsvolle Gesang über die Magie von Istanbul wird von präzisen Drumming und dem markanten Sound einer Langhalslaute begleitet. Der nachfolgende Song Hannover dagegen stellt die Bassgitarre mehr in den Vordergrund und lädt mit seinem Klatschrhythmus regelrecht zum Tanzen ein. Selbst bei ruhigeren Stücken wie  “Kücük Hanim” beweist sich die Band in ihrem Können, subtile Synthesizer-Melodien mit lässigen Gitarrenspiel zu kombinieren. Die Vielseitigkeit scheint nie zu stoppen, auch bei den Texten, welche zwischen Kurdisch, Türkisch und Dänisch fließend wechseln.

Das ist “Mal”, eine beeindruckende Ode an das Aufbegehren gegen Unterdrückung in jedweder Hinsicht. AySay schaffen es auf ihrem aktuellsten Werk tatsächlich, ihre bisher besten und dynamischsten Erzeugnisse darzulegen. Damit ist es unangefochten unser Campusradio Jena Album der Woche.