Wenn man ein maximal spannendes Drehbuch für einen letzten Spieltag in der Regionalliga Nordost schreiben könnte, würde es wohl doch nicht toppen können, was sich am Samstagnachmittag im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld abspielte. Denn im so brisanten Thüringenderby ging es für den FC Carl Zeiss Jena gegen Rot-Weiß Erfurt nicht nur um die Prestige, sondern im Fernduell mit Lok Leipzig auch um den entscheidenden ersten Platz, der zur Aufstiegsrunde in die 3. Liga berechtigte.

Drama pur kann der FC Carl Zeiss Jena. Nach einer langen, wechselhaften und selten ruhigen Spielzeit hatten es die vergangenen Wochen noch einmal richtig in sich. Mit einem fulminanten Schlussspurt erarbeiteten sich die Saalestädter eine Ausgangsposition, bei der sie punktgleich mit Tabellenführer Lok Leipzig in den letzten Spieltag gingen. Allerdings sprach das Torverhältnis deutlich für die Sachsen. Ein Sieg im Thüringenderby gegen Rot-Weiß Erfurt war deshalb so oder so Pflicht.

Beide Teams starteten dabei etwas nervös ins Spiel. Laut wurde es erstmals, nachdem Emeka Oduah im gegnerischen Strafraum zu Boden ging, ein Elfmeterpfiff aber ausblieb. Kurz darauf durften die Gastgeber dann aber jubeln. Nach einer Seitenverlagerung auf links tauchte Timon Burmeister vor dem Tor auf und nutzte die erste richtige Chance des Spiels. Im Fernduell mit Leipzig legte Jena damit vor! Nun brauchte der bis dato Tabellenführer selbst dringend den Sieg gegen die Zweitvertretung des 1. FC Magdeburg.

Eine gemalte erste Halbzeit für den FCC

Ein zweiter Treffer in der 16. Minute blieb den nun mutigen Jenaern aber vergönnt. Alexander Prokopenko vollendete einen Konter zwar mustergültig, startete aber aus einer Abseits-Position. Das heimische Publikum honorierte den gezeigten Einsatz allerdings mit immer stimmungsvollerem Applaus, nachdem auf fast allen Tribünen noch zu Beginn Spruchbänder bezüglich des verwaisten Erfurter Auswärtsblocks zu lesen waren.

Die Stimmung im ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld war von Beginn an euphorisch

Noch besser wurden die Aussichten, als Magdeburg im Parallelspiel tatsächlich das 1:0 erzielte und die Weichen auf Jenas Meisterkurs mitstellte. An dieser Mission arbeitete dann auch der FCC wieder entscheidend. Einen Standard bekamen die Gäste nicht geklärt – am Ende schob Moritz Fritz in der 30. Minute zum wertvollen 2:0 ein. Weil die Erfurter nicht über Halbchancen hinauskamen, aber auch Oduah und Kevin Lankford zwei dicke Möglichkeiten ausließen, ging der Zwischenstand vor insgesamt 13.123 Fans zur Halbzeit in Ordnung.

Nach dem traumhaften ersten Durchgang gab es den ersten kleinen Schock des Tages. Leipzig kam furios aus der Kabine und erzielte den schnellen Ausgleich. Doch mindestens genauso verrückt: Quasi mit der nächsten Aktion gelang Magdeburg II die erneute Führung! Aufregender hätte das Saisonfinale also bis zu diesem Zeitpunkt kaum sein können. In Jena zeigte sich währrenddessen das gewohnte Bild: Rot-Weiß versuchte es mit Distanzschüssen; der FCC wählte das Mittel des schnellen Umschaltens.

Leipzig als Spielverderber: Keine Aufstiegsspiele für Jena

Der Blick der meisten Fans ging in dieser Phase aber begründeterweise ins benachbarte Bundesland. Dort erspielte sich Lok eine drückende Überlegenheit und verdiente sich das folgerichtige 2:2. Und nur kurz darauf wurde es in der ad hoc Arena mucksmäuschen Still. Denn Leipzig sicherte sich vom Elfmeterpunkt nicht nur die erste Führung des Tages, sondern auch die erneute Tabellenführung.

Vom anderen Ergebnis unbeirrt suchte Jena weiter den Weg nach vorn. Prokopenko scheiterte allerdings aus nächster Nähe an einem starken Reflex von Torhüter Lorenz Otto. Das 4:2 im Parallelspiel beendete dann aber alle Hoffnungen auf das späte Happy End. In der Folge trudelten beide Partien aus. Jena muss sich trotz des guten Auftritts mit dem unliebsamen 2. Tabellenplatz vergnügen und verpasst die Chance auf die Aufstiegsspiele.

Abwehrchef Sören Reddemann beantwortete nach dem Spiel die Fragen der Journalisten

Geburtstagskind Sören Reddemann fasste die komische Gefühlslage nach dem Spiel zusammen: “Ich freue mich einfach, mit so einer geilen Mannschaft zusammengespielt zu haben bisher. Natürlich ist es ein bisschen, sagen wir mal, traurig, dass wir so einen Derbysieg feiern, wie wir es gefeiert haben. Ich glaube, ab der 75. hat man es so gemerkt im Stadion. Man hat es einfach gemerkt, dass es vom Ergebnis vom anderen Spiel halt schon ausschlaggebend war. Aber ich glaube, was wir jetzt die letzten zehn Spiele vor allem abgerissen haben und jetzt einfach mal Vieselbach gezeigt haben, wer einfach die Nummer Eins in Thüringen ist. Vor allem, wie wir es in der ersten Halbzeit gespielt haben: Ich glaube, ich habe noch nie so eine gute Halbzeit von uns gesehen. Ich glaube, wir hätten 4-5:0 führen können in der Halbzeit. So waren es nur 2_0. Natürlich kam dann Vieselbach ein bisschen um die Ecke. Aber ich glaube, wir hätten heute durchaus höher gewinnen können und vielleicht auch sogar müssen. Aber es nützt trotzdem nichts.”

Vor dem Campusradio-Mikro verriet er allerdings auch, wie stolz die Mannschaft auf die letzten Wochen sein kann: “Naja, dass wir einfach stolz auf uns sein können. Ich glaube, wir haben es nicht in den letzten Spielen, ich sage mal, versaut. Wir haben es gegen Meuselwitz zuhause, in Eilenburg, gegen Babelsberg musst du nicht unbedingt unentschieden spielen. Das sind so Spiele, wo du dann halt guckst, wo die Punkte bleiben. Trotz alledem haben wir 72 Punkte geholt. Ich glaube, dass es eine sehr, sehr gute Saison war. Dass es jetzt nicht ausreicht, ist natürlich ärgerlich. Aber so ist leider der Fußball.”

Am Samstag in einer Woche will sich der FCC dann zumindest im Thüringenpokalfinale gegen Meuselwitz das zweite Saisonziel, den Thüringenpokal sichern. Das Campusradio drückt die Daumen!