Der Jenaer Hörsaal-Slam ging in die 16. Runde. Der Abend war voller guter Künstler:innen, die es schafften mit ihren Texten das Publikum in den Bann zu ziehen. So sehr, dass der Abend viel zu schnell vorbei war. Falls ihr den Slam verpasst habt, dann gibts hier eine kleine Zusammenfassung des Abends.

Der 16. Jenaer Hörsaal-Slam am 21. Januar verwandelte den gut gefüllten Hörsaal 1 der Friedrich-Schiller-Universität Jena in eine Bühne für Wortkunst, Humor und kluge Beobachtungen. Talentierte und bekannte Slammer:innen aus ganz Deutschland sorgten gemeinsam mit einer ordentlichen Prise Mathematik für einen ebenso unterhaltsamen wie abwechslungsreichen Mittwochabend.

Eröffnet wurde der Abend mit einem filmreifen Intro-Video, das die neuen Moderatoren Andy Eckardt und Lukas Günther vorstellte. In lockerer Stimmung erklärten sie dem Publikum anschließend die Regeln und das Punktesystem: Sieben Künstler:innen traten in den Vorrunden mit selbstverfassten Texten und ohne Requisiten gegeneinander an. Sieben Freiwillige aus dem Publikum bewerteten die Auftritte mit Punkten von 1 bis 10, wobei jeweils die höchste und niedrigste Wertung gestrichen wurden. Die besten vier qualifizierten sich für das Halbfinale, ehe im Finale alleine der Applaus des Publikums über den Sieg entschied.

Für einen ersten Stimmungshöhepunkt sorgte die Proberunde, in der Dana Galkina, die aktuelle Landesmeisterin von Thüringen ihren Text über das Erwachsenwerden – ganz nach dem Motto „Nutzt euren freien erwachsenen Willen“ – vortrug und damit das Publikum auf Betriebstemperatur brachte.

Den offiziellen Wettbewerb eröffnete Marsha Richarz, die sich ironisch mit feministischen Statements und öffentlicher Kritik auseinandersetzte und dafür vor allem vom weiblichen Publikum viel Zuspruch erhielt. Konrad Moritz begann mit vielen Reimen. In seinem Text präsentierte er augenzwinkernd seine vermeintliche Lösung für Klimaschutz und Weltfrieden – inklusive selbstironischem Eigenlob und der Erkenntnis, dass seine Stimme dafür wohl doch zu leise sei.

Es folgte Levin Simmet, der mit einem aktuellen Text zur Winterzeit den Haltverlust auf Glatteis bildreich mit Alltagssituationen verglich und mit politischen Wortspielen für Lacher sorgte.

Janka Partisanka setzte sich anschließend ironisch mit ihrer Kindheit und den Auswirkungen der DDR-Erziehung auseinander und bewies wie gut ihr Hochdeutsch ist. Damit hinterließ sie einen bleibenden Eindruck.

Im weiteren Verlauf des Abends bekam das Publikum reichlich Mathematik-Humor geboten. Eva Stützer erklärte unter anderem, warum man als Mathematiker besser nicht bei ALDI unter der Kasse sitzen sollte. Flachwitze über Mathematiker „ Die ja sonst nichts lösen können “ durften hier nicht fehlen.

Felix Hufnagel aus Erlangen sorgte mit Themen wie Handyzeit, Insta-Reels, Matcha, Markus Söder, „oben gute Laune, unten gute Laune“ und Anspielungen auf Alice Weidel für viel Zustimmung und ordentliche Lacher im Publikum

Mit Anna Clara Hermsdorf aus Potsdam wurde es erneut mathematisch. Sie erklärte, warum Mathematiker angeblich nur bis drei zählen können. Wie Einstein die Relativitätstheorie in Sekundenschnelle an die Tafel bringen konnte und integrierte sogar eine Differenzialgleichung in ihren Slam.

Nach Annas Auftritt wurden dann die Kandidat:innen fürs Halbfinale bekanntegegben. Es qualifizierten sich Konrad, Janka, Eva und Felix.

Nach einer Pause ging es dann mit Konrad weiter. Er sprach offen und selbstironisch über Männerprobleme, während Janka im Anschluss erneut über ihre DDR-Kindheit, frühere Essensregeln und über misslungende Karnevalskostüme sprach. Eva nahm das Publikum mit in den Alltag einer Beziehung zwischen Akademiker und Handwerker – inklusive typischer Handwerkersprüche wie: „Das ist nicht zulässig“ oder „Das wird teuer“. Felix hingegen blickte humorvoll auf das Jahr 2025 zurück – darunter auch der legendäre „ Killer-Wels vom Ambachsee“, dem er sogar ein Gedicht widmete. Dabei sorgte der Spruch „ Der Erlkönig auf hoher See“ für ordentlich Zustimmung. Natürlich durfte in seinem Slam auch Söder und Trump nicht fehlen.

Dann war das Halbfinale auch schon vorbei und im Finale standen sich Felix und Konrad gegenüber. Konrad setzte auf eine Seelenreinigung im gewohnten Rapstil und erzählte eine Geschichte eine Zugfahrt mit der Deutschen Bahn. Felix konterte mit einem Rundumschlag aus Schlagermusik, Florian Silbereisen, der Giovanni-Zarrella-Show, italienischem Essen und Aperol Spritz und dazu schaffte es er sogar Gesellschaftskritik in den Slam einzubauen. Im Anschluss an seinen Auftritt sollte dann das Publikum entscheiden, wer der Gewinner des Abends ist. Die Entscheidung war so knapp, dass es eine zweite Runde Applaus brauchte, bis die Moderatoren sich sicher waren. Sieger des Abends wurde Felix Hufnagel.

Und somit ging ein Poetry-Slam-Abend zu Ende, der zeigte, wie vielseitig Wortkunst sein kann – klug, laut, lustig, garantiert nicht nur Kopfrechnen und ordentlich Gesellschaftskritik.

Bildrechte: Dana Galkina