Es ist Spätsommer in Jena, die perfekte Zeit um sich Open-Air-Konzerte zu gönnen. Die Kulturarena wird von einer sehr besonderen Künstlerin besucht: Die Sängerin, Multi-Instrumentalistin und Komponistin Agnes Obel. Unsere Musikeule Tim berichtet davon, wie die Konzerterfahrung am Donnerstag ablief.

Es ist Donnerstag der 20. August 2026, die Kulturarena ist prall gefüllt. Heute findet ein Konzert mit einem der größeren Namen im Line-Up statt, der dänischen Künstlerin Agnes Obel. Man steht inmitten einer größeren Menge, das Publikum hätte diverser nicht sein können. Von jungen Studenten bis Leuten im Ruhestand ist alles mit dabei. Zum offiziellen Zeitpunkt steht die Bühne noch leer, es wird vereinzelt hoffnungsvoll im Publikum geklatscht. Vielleicht sehen einige die Chance darin, damit die Musizierenden auf das Stage zu holen.

Nach einer Viertelstunde ist es dann soweit, mit Applaus kommt Agnes Obel samt Mitspielenden auf die Bühne der Kulturarena. Es wird auf Worte verzichtet, erstmal soll die Musik für sich sprechen. Den Auftakt macht das Quartett mit dem wunderschönen Fuel To Fire, einem Song über die Schönheit und Verletzlichkeit der Liebe. Die Stimme von Agnes Obel schwebt zusammen mit der Klaviermelodie über den Platz hinweg, der Effekt auf das Publikum ist sofort spürbar. Nach dem Opener begrüßt die Dänin das Publikum und unterhält sich dabei ein wenig auf Deutsch. Eine Überraschung für wenige, die Künstlerin lebt und musiziert seit 20 Jahren in Berlin. Im Laufe der darauffolgenden Lieder fällt ein weiterer Aspekt neben der Musik auf: Die visuelle Aufmachung.

Zu Anfang wird nur mit den Schattensilhouetten der Musizierenden gespielt, den Rest des Abends bekommt man jedoch die verschiedensten Videoprojektionen zu sehen. Es ist alles mit dabei, von Retro-TV-Filtern zu traumähnlichen Loops der Performenden auf der Projektwand. Die Abwechslung der Bühnenshow ist eine sehr willkommene Ergänzung zur Musik, die ohnehin bereits alleine gut stehen kann. Im Laufe des Abends ist nicht nur die Stimme von Agnes Obel zu hören, Keyboarderin Hinako Omori und Cellistin Marie-Claire Schlameus singen insbesondere bei den Chören zur Unterstützung mit. Omori ist als Solokünstlerin unterwegs, während Schlameus bei Bands wie Toechter mitwirkt. Die vierte und letzte Person mit auf der Bühne ist der Schlagzeuger Jacob Sartorius, der mit seinem Jazz-Hintergrund stilsicher die Live-Musik mit Percussion ergänzt.

Die Songauswahl bei dem abendlichen Konzert ist durchmischt, es gibt einen Mix aus Liedern von vergangenen Alben und neuen Songs aus dem kommenden Projekt The Meaning of Flowers. Ein Highlight aus dem nächsten Album ist der bisher unveröffentlichte Track Faustian Deal. Bereits das Intro mit der imposanten Synthmelodie und dem berührenden Cellospiel hinterlässt Eindruck. Wenn der Rest von The Meaning Of Flowers diese Qualität behält, könnte es sich hierbei um eines der besten Releases des Jahres handeln. Zum Ende des Konzerts spielt die Musikerin einige ihrer bekanntesten Hits, den Abschluss macht sie mit dem anmutigen Song The Curse.

Agnes Obel in der Kulturarena am Donnerstag lässt sich als märchenhaften Erfahrung zusammenfassen. Selbst in der Musikszene des Folks besitzen wenige die Fähigkeit, die eigene Innenwelt mit solch einer Zärtlichkeit und Stilsicherheit darzustellen. Eine starke Empfehlung an all diejenigen, die auf ruhige und doch fesselnde Konzerte stehen.

Bildrechte: Christoph Worsch

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