Die CD der Woche: Alice Phoebe Lou – Paper Castles

Die Welt braucht Leute wie Alice Phoebe Lou. Und die Welt braucht Alben wie das neue Album der Wahlberlinerin aus Südafrika. ‚Paper Castles‘ heißt das zweite Studioalbum Alice Phoebe Lous und ist am Weltfrauentag erschienen. Das ist kein Zufall. Die Künstlerin ist an kein Label gebunden…

… und geht offen damit um, keinen Plattenvertrag unterschreiben zu wollen. So hat sie komplette kreative Kontrolle über ihre Musik und auch über das Erscheinungsdatum ihrer Werke. Aufrichtig und sensibel philosophiert Lou bei weichen Melodien und sanften Kompositionen über Weiblichkeit, Feminismus, Selbstbestimmung und Freiheit.

Bildquelle: Pressematerial

Wäre das Album ein Gemälde, so würde es wahrscheinlich mit Pastellfarben gemalt worden sein. Genauso wie die weichen Farben ist Lous Sound leicht und alles andere als überwältigend oder schwer. Die zehn Lieder auf Paper Castles kommen natürlich daher. So auch der Titeltrack, der von Lous Besuch des Westjordanlandes für ein Konzert inspiriert worden war.

Mit dieser zarten Ästhetik kommt auch ‚Something Holy‘ daher. Nach eigener Aussage wollte Alice Phoebe Lou ein Bild positiver weiblicher Sexualität erzeugen. Es ginge in dem Lied darum, mit Intimität alte Wunden zu heilen und seinen eigenen Körper zu lieben. ‚Something Holy‘ klingt wie die wohligen Schmetterlinge, die bei körperlicher Nähe im Bauch rumschwirren. Der ruhige Bass, die Klavierklänge, die wie Wassertropfen abperlen, und die sanften Gitarren sowie Synths gestatten einen Einblick in Alice Phoebe Lous Innenleben.

Für die Produktion des Albums hat sich Lou Noah Georgeson anvertraut. Dieser hat schon Acts wie Joanna Newsom, The Strokes oder auch Adam Green produziert. Die Intention der Künstlerin war es, den Sound so aufrichtig wie möglich zu halten und nicht überproduziert klingen zu lassen. Diese rohe Ästhetik lässt sich auch in dem jazzigen Schlagzeug und den klaren Gitarrenklängen auf ‚Skin Crawl‘ hören. Der Song klingt wie Lous Ode an den Feminismus. Dabei stellt sie sich aber nicht als ein unfehlbares Exempel auf, sondern gibt auch eigene Fehler in Bezug auf ihre Sichtweise auf Männer zu. In einem Instagrampost erzählt sie von der Inspiration des Liedes. An einem Abend, an dem sie alleine unterwegs war, wurde sie unter Drogen gesetzt und konnte nur mit Glück ihrem Angreifer entfliehen.

Insgesamt ist es schwer das Album auf ein Genre festzunageln. Es findet seine Balance zwischen Folk, Blues, Jazz und Soul. Aber wozu sich auch festlegen? In kompletter Eigenregie bestimmt Alice Phoebe Lou ihre Karriere. Mit Paper Castles präsentiert sie eine mit Sensibilität verbundene Weiblichkeit, die genau dadurch so stark wirkt. Damit füllt das Album eine Lücke in der Musikwelt, die man vorher vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hatte. Und genau deswegen braucht die Welt Alben wie Paper Castles.

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