Das Land Thüringen überlegt Gelder für die Unis zu kürzen – das passt aber nicht allen.
“Als ob die Uni uns nicht brauchen kann, All I wanted was to do my Job“.
dass singen Studierende und Mitarbeiter von Universitäten am Donnerstag vor dem Landtag in Erfurt. Dazu covern sie das Lied von Miley Cyrus „Wrecking Ball”. Warum? Weil sie keinen Bock auf Kürzungen an Universitäten haben.
Der Bildungsausschuss Thüringen hat sich am Donnerstag getroffen, um über die Hochschulvereinbarung zu beraten. Dabei geht es auch um mögliche Kürzungen bei den Hochschulen. „Momentan reicht das Geld bei den Hochschulen gerade so, um am Ende des Jahres bei Plus-Minus-Null zu landen“, erklärt Laura Boemke. Sie ist DGB-Jugendbildungsreferentin in Thüringen und hat die Demonstration vor dem Landtag mitorganisiert. Jetzt sollen Gelder in einer neuen Finanzierungsvereinbarung weiter gekürzt werden. „Das wird auf jeden Fall nicht reichen, um die Inflation auszugleichen“, sagt Boemke. Sie befürchtet, dass die geplanten Kürzungen die finanzielle Situation der Hochschulen weiter verschärfen könnten.
Auf der einen Seite natürlich für die Beschäftigten, die alltäglich die Uni am laufen lassen, sei es in der Lehre, aber auch drumherum die unsichtbare Arbeit, nenne ich es jetzt einfach mal, wie die Verwaltung etc. pp. Die sind davon betroffen. Es kann zur Arbeitszeitverdichtung kommen, zu noch mehr Stress. Aber das wiederum hat auch extreme Auswirkungen auf die Studierenden. Denn es sind ja schließlich die Mitarbeiter*innen, die die Lehre machen, die sie konzipieren, die sich um die Bachelorarbeitsbetreuung kümmern.
Mehr als 100 Menschen haben sich bei der Demonstration vor dem Landtag versammelt. Eine von ihnen ist Charlie. Sie studiert Soziologie im Bachelor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Außerdem arbeitet sie als Tutorin an der Uni und engagiert sich bei TV Stud, einer studentischen Bewegung für Tarifverträge an Hochschulen. Sie kritisiert vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen, die an vielen Universitäten herrschen.
Mich frustriert in erster Linie, dass gerade jetzt in Bezug auf die Arbeitsbedingungen eigentlich schon seit 2023 in der Tarifrunde eine schuldrechtliche Vereinbarung erstreikt wurde, in der Regelungen geschaffen wurden, zum Beispiel zum Thema Vertragslaufzeiten, laut denen Verträge mindestens ein Jahr laufen müssen und einfach die Hochschulen durch ganz viele Ausnahmen das umgehen und es viele Verträge gibt, die kürzer laufen.
Auch Beschäftigte der Universität Jena sind bei der Demonstration dabei. Einer von ihnen ist Clemens Beck. Er ist Juniorprofessor für Digital Humanities und heute für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor Ort. Er fordert eine sichere Finanzierung der Hochschulen.
Wir als Gewerkschaft sagen, Bildung muss auskömmlich finanziert werden. Wir haben in Thüringen einen Fachkräftemangel, wir haben zu wenig Lehrkräfte. Wenn wir jetzt an Hochschulen kürzen in der Lehrkräfteausbildung, dann wird es natürlich noch weniger Lehrkräfte geben. Wir haben auch darüber hinaus zu wenig Fachkräfte. Wenn ich dann Hochschulen kürze, dann wird es natürlich auch weniger Fachkräfte geben und deswegen sagen wir als Gewerkschaft, Hochschulen müssen auskömmlich finanziert werden und das Land muss mindestens die Steigerungsraten von Tarif und Inflation in den nächsten Jahren ausgleichen
Laura Boemke sieht ganze Studiengänge gefährdet.
Aber es kann natürlich auch zu ganzen Wegfällen von Studiengängen führen. Also zum Beispiel kündigt die Uni Erfurt an, dass das Grundschullehramt nicht mehr existieren soll. Bereits ab nächsten Wintersemester, also ab nächstem Jahr, keine neuen Studierenden mehr aufgenommen werden. Aber auch die Lieblingsprofessur, wenn da die Professorin in Rente geht, beispielsweise, kann es dazu kommen, dass diese Stelle nicht mehr nachbesetzt wird, diese Professur, und das schränkt Das Angebot an unseren Hochschulen extrem ein.
Ob tatsächlich Gelder gekürzt werden und welche Folgen das für die Hochschulen haben wird, ist noch offen. Die Demonstrierenden haben am Donnerstag vor dem Landtag aber deutlich gemacht, dass sie für gute Arbeitsbedingungen und eine sichere Zukunft der Hochschulen kämpfen wollen.