Das Paradies und sein Thüringenderby – eigentlich ein Match made in Heaven. Doch seit geraumer Zeit ist der Nordost-Kracher zumindest aus Fan-Sicht eher eine holprige Angelegenheit. Rund um den 4. Spieltag und das Heimspiel des FC Carl Zeiss Jena gegen Rot-Weiß Erfurt schaffte es der Fußball lange nicht, sich in den Vordergrund zu spielen. Einen sportlichen Sieger gab es in dem engen Duell aber doch noch.

“Kein Derby unter diesen Bedingungen”, prangerte so lautschwach es eben nur ging in der Südkurve. Beim eigentlich heiß ersehnten Derby gegen Rot-Weiß Erfurt blieb die Stehtribüne der Ultras von Carl Zeiss Jena leer. Das Thüringenderby ist schon über die vergangenen Jahre immer wieder Streitpunkt für den Verein, Behörden und die Stadt. Nach teils heftigen Auseinandersetzungen auf der Tribüne konnten die Fan-Lager in den letzten beiden Spielen nur unter Auflagen ins Stadion. Rot-Weiß in der Rückrunde und am Sonntag dann die Südkurve verweigerten allerdings den Support.

Während eine Ecke des Stadions gänzlich leer blieb, waren die Ränge im weiteren Rund schnell und restlos gefüllt. Bei sommerlichen Bedingungen hieß es für Jena, sich weiter in der Tabellenspitze festzuspielen und den Schwung aus zwei Siegen am Stück zu nutzen. Die Gäste, ganz ohne Niederlage in die Spielzeit gestartet, blickten derweil auf eine noch bessere Ausgangsposition und wollten ihrerseits den ersten Sieg im Ernst-Abbe-Sportfeld seit 2011 einfahren.

Das Spiel begann wie zuletzt gewohnt erst einmal im Stillstand. Eine Minute lang ruhte der Ball, um damit ein gemeinsames Zeichen gegen die Aufstiegsregelungen in den Regionalligen zu setzen. Ja – der Fußball ist eben auch weiter Raum für politischen Diskurs; und das ist auch gut so. Gut ist aber auch, dass sich die Teams ab der zweiten Minute ganz auf das dann rollende Kunstleder konzentrieren konnten.

Die leere Südkurve in 
Jena
Beide Fan-Lager waren mit den Rahmenbedingungen des Derbys unzufrieden

Beide Mannschaften waren bestimmt, früh die Kontrolle zu übernehmen. Die erste zaghafte Gelegenheit verzeichnete Timon Burmeister auf FCC-Seite per Distanzschuss, während es auch Erfurt vorrangig von außerhalb des Strafraums versuchte. Weitere Annäherungsversuche blieben in der Folge aber Mangelware. Daran änderte auch die Trinkpause bei den über 30 Grad erst einmal nichts.

In der 31. Spielminute waren dann aber wieder alle wach. Allen voran Kevin Lankford, der nach einer cleveren Kopfballablage von Elias Löder wuchtig unter die Latte traf. Eine wirkliche Drangphase der Erfurter machte sich trotz wachsender Ballbesitzanteile aber bis zur Nachspielzeit nicht bemerkbar. Einem Abschluss von Gonda folgte noch eine Dreifach-Chance, die Jena nur mit großer Not zu bereinigen wusste. So ging es mit der knappen Führung in die Kabine.

Den Schwung der letzten Minuten vor dem Seitenwechsel nahm Rot-Weiß dann aber einfach mit. Nach einem geblockten Schuss von Assibey-Mensah fühlte sich niemand für Hinata Gonda verantwortlich, der überlegt in die lange Ecke einschob. Der Lohn für die deutlich intensivierten Offensivbemühungen, die FCC-Trainer Marco Grote zum Reagieren veranlassten. Mit dem jungen Shootingstar Emilio Munser und Manassé Eshele kam ausgewiesene Torgefahr ins Spiel. Und auch wenn das Thermometer schon am Anschlag stand, wurde es auf dem Rasen noch hitziger. Eine Rudelbildung machte den Anfang; viele kleine Nickligkeiten folgten.

Traum-Derbystatistik des FCC hat ein Derby

Wirklich viel Fußball wurde in den nächsten Minuten nicht gespielt. Das hatte neben vielen Unterbrechungen auch einen sehr ernsten Grund: Nach einem langen Ball stieß Eshele mit dem herauseilenden RWE-Keeper Lorenz Otto zusammen, der benommen liegen blieb. Sofort eilten Sanitäter*innen aufs Feld und brachten den Schlussmann per Trage vom Feld. An dieser Stelle gilt: Gute Besserung an den 25-Jährigen!

In der Phase, in der das Spiel ganz wenig hergab, musste es dann ein Standard richten. Nach einer Ecke von links stand Gäste-Joker Romarjo Hajrulla zu blank und erzielte den umjubelten Treffer zur Führung. Der erste Sieg für Erfurt an der Saale seit 15 Jahren nahm immer mehr Form an. Auch, weil sich Jena schon eine geraume Zeit nicht mehr vor dem gegnerischen Tor blicken lassen konnte. Löder und auch der eingewechselte Tristan Teuber verfehlten den Kasten aus schwierigen Lagen.

Die Crunchtime brach an, doch dem FCC gelang wie zuletzt in Babelsberg kein Lucky Punch mehr. Am Ende stand die bittere Niederlage, die Jena in der Tabelle stagnieren lässt. Keeper Marius Liesegang hatte nach dem Spiel eine klare Einschätzung:

Der deutliche Verlierer an diesem Tag war der FCC. Nicht nur aufgrund des bitteren Punktverlusts gegen den großen Rivalen, sondern vor allem auch wegen des erneuten Ärgers mit der aktiven Fanszene. Allzu viel stimmt nach vier Spieltagen also noch nicht. Die Gelegenheit auf Wiedergutmachung gibt es am Freitag beim Tabellenletzten Chemie Leipzig.

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