Die einen bekommen es in der Kindheit vorgelesen, die anderen lesen es im Erwachsenenalter selbst: Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär von Walter Moers erschien in seiner Erstausgabe 1999, hat seitdem weltweit Fans gewonnen und gilt inzwischen fast schon als ein Klassiker der Fantasy- und Abenteuerliteratur. Warum sich die Lektüre lohnt, erfahrt ihr hier.
Alles beginnt mit einer Walnuss-Schale im Meer. Und einem kleinen blauen Bären, der nicht so genau weiß, wer er ist und wo er herkommt. Oder welche Abenteuer die Welt für ihn bereit hält. So treibt er eine Weile auf dem weiten Ozean, bevor er von Zwergpiraten gefunden und an Bord genommen wird. Das erste der 13½ Leben hat begonnen. Ein Blaubär, muss man wissen, hat 27 Leben. In Walter Moers Roman erzählt unser Held, der Blaubär, von der ersten Hälfte seines bewegten Daseins auf dieser Welt. Über alles, was danach passiert wird geschwiegen, denn auch “ein Bär muss seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös” (S.6).
Aber auch diese ersten 13½ Leben haben es in sich: Nachdem er dem Schiff der Zwergpiraten entwachsen ist, schlägt er sich quer durch seinen fantastischen Heimatkontinenten Zamonien. Dabei begegnet er den fabelhaftesten Gestalten, stolpert durch Situationen, die ihm hinterher niemand mehr glauben wird und kommt der Gefahr gelegentlich viel zu nah.
Damit wir uns als Lesende besser in der Welt des Blaubären zurechfinden, bekommen wir immer wieder Erklärungen aus dem Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung. Daneben erwecken liebevolle Illustrationen, die der Autor selbst gezeichnet hat, die Figuren zum Leben.
Der eine oder die andere mag sich jetzt denken, das klingt doch erstmal eher wie ein Kinderbuch. Vielleicht schweben da auch noch die Videos aus der Sendung mit der Maus im Hinterkopf herum, in der ein blauer Bär seinen Enkelkindern verrückte Geschichten aus seinem Leben als Seefahrer erzählt. Aber, das haben wir bereits festgestellt, das Leben eines Blaubären ist lang. So handelt es sich zwar im Roman und der Fernsehserie um die selbe von Walter Moers geschaffene Figur, jedoch erlebt er völlig voneinander unabhängige Abenteuer. Und so ist Die 13½ Leben eben doch nicht nur ein Kinderbuch, sondern für Erwachsene genauso gut geeignet.
Walter Moers schafft in seinem ersten Zamonien-Roman auf 704 Seiten eine fantastische Welt, die Klein und Groß zurecht seit mehr als 20 Jahre begeistert. Und der Blaubär ist immer für eine Überraschung gut: Keines seiner Leben gleicht dem vorherigen, was seine Reise abwechslungsreich und nie langweilig macht. Er lebt im Wald, der Wüste, der Großstadt oder auf dem Rücken eines Flugsauriers, um nur einige seiner Wohnorte zu nennen. Für uns, die wir in unserem Alltag eher langfristig an eine Stadt gefesselt sind, bietet der Roman also die perfekte Gelegenheit, eine Pause vom Alltag einzulegen und sich an ferne Orte zu träumen. Besonders schön an den Werken von Walter Moers ist dabei, dass alles so kreativ zusammenspielt und sich aus vielen Einzelteilen eine facettenreiche Geschichte und eine noch buntere Welt zusammensetzt. So ergeben zuvor unerklärliche Ereignisse durch unvorhergesehene Wendungen plötzlich Sinn. Oder einige der Wegbegleiter des Blaubären tauchen an anderer Stelle im Roman oder in einer der inzwischen zahlreichen Fortsetzungen wieder auf.
Die 13½ Leben hat definitiv Lieblingsbuch-Potential und bekommt von mir daher eine klare Leseempfehlung. Die kreative Arbeit von Walter Moers beeindruckt durchweg und am Ende durfte ich vom Blaubär beim Lesen auch ein paar wichtige Lektionen lernen. Das Leben nicht so schwer nehmen zum Beispiel. Einfach mal machen. Getreu dem Motto: “Man muss dem Schicksal eine Chance geben” (S.47). Die Geschichte des Blaubären zumindest zeigt: Wer wagt, gewinnt.
Seitenzahlen und Beitragsbild: Moers, Walter (1999): Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär. Die halben Lebenserinnerungen eines Seebären. Frankfurt am Main: Eichborn.