Nach drei Jahren Campusradio, in denen ich als Redakteurin, Social-Media-Leitung und zuletzt Chefredakteurin aktiv war, heißt es nun Abschied nehmen – von der Arbeit im Radio, meinen lieben Eulen und von euch Hörer*innen. In diesem Beitrag teile ich ein letztes Mal als Eule Susanna mit euch meine Gedanken und blicke auf drei wunderschöne und ereignisreiche Jahre zurück.
Sonntagabend: Der Kopf ist mal wieder zu laut, das heißersehnte Wochenende, ist in wenigen Stunden vorüber, und das Weckerstellen bringt einen schon vor dem neuen Wochenstart um den Verstand: “Optimistisch reinstarten und um 8 Uhr aufstehen oder doch realistisch bleiben und den Wecker auf 9 Uhr stellen oder sogar erst einen Notfallwecker um 10?“
Ach egal, es wird der Notfallwecker! Uni habe ich morgen eh nicht und ich kann ja auch später noch produktiv sein. Immer das gleiche Ammenmärchen am Abend, aber zumindest ist die Frage so lange aus dem Kopf, bis man sich am nächsten Morgen über die Entscheidungen des Vergangenheit-Ichs ärgert.
Jetzt noch fix den morgigen Tag im Kopf durchgehen und dann geht’s aber wirklich schlafen.
Nach einer Aufzählung etlicher „To-Dos“, die auf wundersame Weise dann, Achtung Spoiler Alert, doch nicht erledigt werden würden, der Gedankenblitz: Morgen ist ja Redaktionssitzung. Ein Lächeln breitet sich im Gesicht aus und der laute Alltag wird plötzlich leise …
Ziemlich genauso liefen in den letzten 3 Jahren die meisten meiner Sonntagabende im Kopf ab. Zugegebenermaßen sorgte die anstehende Redaktionssitzung seit meiner Wahl als Chefredakteurin dann doch manchmal für Extralärm im Kopf, aber die Freude überwog doch deutlich.
Seit mein Abschied aus dem Radio in sichtbare Nähe rückte, dachte ich viel über meinen Abschiedsbeitrag nach. Vor allem in Bezug darauf, was ich euch Hörer*innen und auch den Eulen eigentlich sagen möchte.
Aber wenn ich eins in meiner Radiozeit gelernt habe, dann ist es, dass Dinge meistens – und wenn sie die Technik betreffen, dann sogar gefühlt immer – anders kommen, als man denkt. Und so schreibe ich aus Inspiration heraus, wie soll es anders sein, Sonntagabends meine Gedanken über die letzten 3 Jahre Campusradio nieder.
Ja, es ist 23:30 Uhr an einem Sonntagabend, und ja, ich habe eben eine Mittelfreigabe zugeschickt bekommen. Und wenn morgen keine Playlist laufen würde, fände man die ein oder andere Eule gerade wohl im Schein eines Laptops am Schreibtisch sitzend und NVs ausfüllend vor. Unser Maskottchen Erna ist schließlich eine nachtaktive Eule – und irgendwie unser aller Spirit Animal.
Was ich aber eigentlich damit sagen möchte: Der Einsatz unserer Redaktion, sei es für Radioaufgaben oder die ein oder andere Eule in Not, übersteigt alles, was ich bisher kannte. Die gegenseitige Unterstützung und das motivierende Umfeld sind etwas, was ich bisher nur selten so erlebt habe. Manchmal beschleicht mich auch der leise Gedanke, dass es schwer wird, eine so schöne Zusammenarbeit noch einmal zu finden.
Und während es gut sein kann, dass man im neuen Job, der neuen Stadt oder vielleicht auch in einem neuen Studiengang wieder auf mehr Konkurrenzkampf und weniger gegenseitige Unterstützung stößt, weiß ich doch: Das Campusradio Jena ist das, was wir daraus gemacht haben und was ihr in den nächsten Jahren daraus machen werdet.
Denn auch wenn wir als Campusmedium in den letzten Jahren leider immer wieder für unsere bloße Existenz kämpfen mussten, stand für uns nie zur Debatte, das Projekt Campusradio Jena aufzugeben. Und auch unser Umzug, der Einbruch in unsere Redaktionsräume und etliche technische Herausforderungen, die uns einiges abverlangt haben, hielten uns nie davon ab, uns am nächsten Montag wieder zur Redaktionssitzung zusammenzufinden. Und damit viele kleine, aber wichtige Beiträge zur Erhaltung unserer demokratischen Werte zu leisten. Sei es durch unsere Berichterstattung zu den Landtagswahlen, Informationsbeiträge zu aktuellen Ereignissen, zahlreiche StuRa-FMs zu hochschulpolitischen Prozessen oder durch unsere Eulenspiegel und ihren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung.
Ich kann nicht für alle sprechen, wenn ich sage, dass das Campusradio für mich primär ein Weg war, in einer neuen Stadt Anschluss zu finden, mit dem großartigen Nebeneffekt, erste journalistische Erfahrungen zu sammeln. Aber ich durfte in den letzten Jahren etliche Male erleben, wie Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen zur Redaktionssitzung vorbeikamen und mit einer neuen Freundesgruppe wieder gingen.
Es gibt wirklich viel, wofür ich dem Radio dankbar bin, aber die Menschen, die ich kennenlernen, und nun meine Freund*innen nennen darf, sind mit Abstand das Größte.
Danke, liebe Eulen, dass ihr mich mit offenen Armen aufgenommen habt! Unsere gemeinsamen Erinnerungen werden mich auf meinem weiteren Weg immer begleiten, und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ihr nie aufhört, für eine offene, herzliche, und freundschaftliche Redaktionsatmosphäre und Gesellschaft einzustehen.
Und mit diesen Worten heißt es für mich nach 3 wunderschönen Jahren: Auf Wiedersehen, Campusradio Jena.