Neues Jahr, neue Künstler*innen – in diesem Fall sogar brandneu. Das Projekt Jo The Man The Music feiert diesen Januar sein Debüt. Künstlerin Jo verwebt auf der Soft Skin EP Gefühle mit Text und Intuition mit Musik. 6 Songs befinden sich auf der Platte – wir haben reingehört.

Manche Alben vermitteln ein bestimmtes Lebensgefühl, andere verbindet man mit einer Farbe oder einem Ort und wieder andere assoziiert man automatisch mit einer bestimmten Jahreszeit. Soft Skin jedenfalls fühlt sich beim ersten Hören an, als ob es Frühling wird: Es erwarten uns sanfte Gitarrenklänge, Vogelgezwitscher, sowie ein Track übers Nacktbaden. 

Persönliche Erfahrungen sind seit jeher Inspirationsquelle für die Künstlerin, die schon ihr ganzes Leben lang Lieder als Ausdruck ihrer inneren Vorgänge schreibt. Jo, mit bürgerlichem Namen Johanna Gußmagg, stammt aus einer Kleinstadt in Österreich und musiziert seit ihrem sechsten Lebensjahr. Inzwischen hat sie es aus ihrem Heimatort raus geschafft, reist für ihre Musik in Großstädte wie Paris, London oder Berlin und verwebt dabei das Aufeinanderprallen dieser Welten in ihre Texte. Auch die Soft Skin EP fand ihre Anfänge bei einem Songwriting Camp in Wien. Dort traf die Künstlerin auf die Produzenten Luca Pivetz und Phil Maier, mit denen sie einige Songs der Platte konzipierte. 

Lyrisch setzt sich das gesamte Album mit den Herausforderungen, die das Leben in den persönlichen Zwanzigern mit sich bringt, auseinander. An einer Stelle sind es die Anforderungen an sich selbst, an anderer Stelle gesellschaftliche Erwartungen. So spielt die Künstlerin im Titeltrack Soft Skin mit Geschlechterrollen, ein roter Faden der sich auch in ihrem Künstlernamen “Jo The Man” wiederfindet. In der Single Skinny Dipping, die bereits im Juli letzten Jahres erschien, beschreibt Jo das Gefühl, mit den eigenen Ängsten zu kämpfen, zu zögern und sich dann aber selbst zu überwinden. In Shoulders hadert sie mit einer Beziehung, von der sie sich im Laufe des Songs emanzipiert: “I grew up, you just grew older, fuck those men with big strong shoulders, I’ll just lean on my own.” Direkte Texte treffen in diesem Album auf sanfte Indie Klänge und lassen die ohnehin kurzen 18 Minuten wie im Flug vergehen.

Jo The Man The Music hat mit ihrer Soft Skin EP keine Angst davor, Angst zu zeigen, ehrliche Einblicke in ihr Innenleben zu geben und sich mit sich und ihrem Umfeld lyrisch auseinanderzusetzen. Vielleicht liegt auch darin die Stärke dieses Debüts – eine EP, die zudem die Frühlingsgefühle mit sich bringt, die wir in diesem kalten Winter alle gut gebrauchen können. Auch deswegen ist die Soft Skin EP unser Campusradio Jena Album der Woche.

Bildrechte: Jo The Man The Music