Die Universität ist ein Ort der Forschung und Lehre, an dem sich jeder Studierende sicher fühlen soll. Doch an der US-amerikanischen Eliteuniversität Cornell wird dieses Sicherheitsgefühl nach den Vergewaltigungsvorwürfen insbesondere von weiblichen Studierenden in Frage gestellt. Was es mit den Vorwürfen auf sich hat und warum Frauen Angst vor Männer haben trotz des Wissens, dass nicht alle Männer Täter sind, erklärt euch Eule Lisa.

Es ist der 27. September 2026. Wie jeden Abend öffne ich Instagram, um nochmal kurz das Neuste abzuchecken. Vielleicht finde ich ja ein paar lustige Reels, die ich meiner besten Freundin schicken kann. Doch als ich Social Media öffne, sehe ich zwei Worte: Cornell 7 (ausgesprochen: Cornell Seven).

Auf den ersten Blick könnte dieser Begriff an eine 7-köpfige Superheldengruppe aus einem Comicbuch erinnern, aber ich kenne mich mittlerweile schon lange mit der verharmlosenden Sprache in den sozialen Medien im Bezug auf Gewalt an Frauen aus. Denn statt einer Superheldengruppe, stoße ich auf Vergewaltigungsvorwürfe gegen sieben männliche Mitglieder einer Studentenverbindung der Cornell Universität im Staat New York.

Schnell wird aus meinem entspannten Abend ein Abend voller Wut. Die Vergewaltigungsvorwürfe sind nicht neu. Bereits 2024 hat die damals 20-jährige Studentin den Fall angezeigt. Warum erst zwei Jahre später reagiert wird? Nachdem keine strafrechtliche Verfolgung eingeleitet wurde, entschied sich die Studentin, deren Identität mit dem Pseudonym “Jane Doe” geschützt wird, im September 2026 selbst Zivilklage gegen die sieben Männer einzureichen.

In den nächsten Tagen finde ich immer mehr Informationen zu den Vergewaltigungsvorwürfen, auch wenn Instagram mittlerweile einige aufklärende Posts zensiert. Je mehr Informationen ich finde, desto wütender werde ich. Von den sieben Beschuldigten entscheidet Cornell zwei Männer von der Universität auszuschließen. Die anderen fünf werden lediglich suspendiert und müssen zur Strafe jeweils einen Aufsatz schreiben. Einen Aufsatz für den Vorwurf einer Vergewaltigung? Dabei wird ganz vergessen, dass die sieben Männer laut Klageschrift eine Gruppeneinladung zur Vergewaltigung per Snapchat-Gruppenchat an 57 weitere Männer geschickt haben sollen.

Aber die Instagram-Kommentare mancher Männer zeigen vielleicht warum die Strafe so ausgefallen ist. Die Studentin soll freiwillig Alkohol konsumiert haben. Es ist also mal wieder die Schuld der Frau, denn es ist natürlich ihre Aufgabe sich vor potentiellen Tätern zu schützen. Gleichzeitig fordern die Kommentare aber ebenso die Enthüllung von “Jane Doe’s” wahrer Identität. Sie solle sich nun nach den Vergewaltigungsvorwürfen doch nicht schützen dürfen. Es ist ein Widerspruch in sich selbst.

Mittlerweile ist es der 18. Oktober 2026. Sicherlich werden noch mehr Informationen bezüglich der Vorwürfe ans Licht kommen. Ich weiß “Jane Doe” ist nicht die einzige Frau. Es wird ähnliche Fälle wie diesen geben an ganz verschiedenen Universitäten, aber auch an anderen Institutionen.

Trotzdem werde ich irgendwann einen Instagram-Kommentar lesen, der mir verspricht, dass nicht alle Männer gefährlich sind. Ich weiß, dass es nicht alle Männer sind, doch es sind zu viele, um sich als Frau sicher zu fühlen. Denn oft sind es nicht nur die Täter, sondern eben auch die Männer in Gruppenchats, die stillschweigend zusehen und abwarten, statt den Fall zu melden. Es sind diejenigen, die Aufsätze als angemessene Strafen empfinden und es sind eben auch die Verfasser von Social Media Kommentaren, die “Jane Doe” bedrohen und versuchen ihre Identität herauszufinden.

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
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Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

Bildquelle: magnific.com (atlascompany)

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