Einen Tag auf einem Festival wie dem Highfield zu eröffnen, ist für eine junge Band schon eine großer Schritt. Für Rosmarin aus Kassel war der Auftritt am Sonntagmittag ein kleiner Vorgeschmack auf alles, was noch kommen soll. Das Campusradio Jena hat Frontsänger Silas und Gitarrist Lucas nach dem Auftritt ans Mikro geholt und sich mal angehört, wie Rosmarin tickt.
CRJ: Wie geht’s euch erst mal nach so einem Auftritt? Alles geil? Cool gewesen?
Rosmarin: Ja, war cool. Auf jeden Fall. Es war ultrageil. Also, wir haben ja gerade schon gesagt, manchmal undankbar so ein erster Slot auf so einer Bühne. Und dafür waren wir irgendwie begeistert. War geil. Wenn es um 13 Uhr einen Mosch gibt, dann weißt du bescheid. Das war schon geil, ja.
CRJ: Ich weiß nicht, wo ihr alles so gespielt habt, wie man dasvergleichen haben. Eine große Kulisse, eine coole Kulisse. Sich hier die Bühne zu teilen mit Milky Chance, Nina Chuba, Deichkind: Wie ist das so? Was macht das für euch?
Rosmarin: Ja, schon krass surreal einfach so. Ich weiß nicht, wenn man so 13.30 Uhr spielt und weiß, heute Abend zockt da irgendwie K.I.Z. oder so. Ja, wir sind noch so an diesem Punkt, wo wir schon noch ganz kleine Sachen machen. Und so random Gigs, sonst irgendwo. Und dann spielen wir so hier auf der Mainstage mit solchen Leuten. Das ist irgendwie, das geht auch immer noch nicht so in den Kopf rein. Krasse Kontraste. Ja, brauchen wir noch so zwei Jahre, dann kommt das an.
CRJ: Habt ihr so ein paar Rituale vor so einem Konzert wie heute, um euch das vorzubereiten? Man kann jetzt nicht vorher Mittag essen gehen, Abend essen. Das war jetzt relativ früh, ne?
Rosmarin: Ja, nee. Wir machen eigentlich so Fußball-Jungskreis hier. Und dann geben wir uns schön hier die Faust, alle in die Mitte. Und dann rauche ich eine Zigarette. Und dann geht’s los.
CRJ: Ist das die Zigarette, die du noch mit auf die Bühne nimmst?
Rosmarin: Ja, genau.
CRJ: Die Glückszigarette.
Rosmarin: Genau, die wird angezündet, wenn Janosch das erste Mal auf die Bühne geht. Dann geht’s rein.
CRJ: Wart ihr so früher einfach auch Festival-Jungs, die da gecampt haben? Weil das sind ja genau die Leute, die jetzt hier kommen zu euch.
Rosmarin: Ich gar nicht. Ich glaube, wir sind alle gar nicht so… Janosch vielleicht? Ja, Janosch. Unser Drummer auf jeden Fall. Er ist jedes Jahr auf dem Open Flair auf jeden Fall. Konzerte, aber nicht Festival.
CRJ: Heute habt ihr das Festival eröffnet. Wollt ihr euch eher so als “Heißmacher” beschreiben? Oder seht ihr euch auch als “Abreißer” oder “noch-einmal-einen-Draufsetzer”?
Rosmarin: Ich würde eigentlich eher so sagen. Oder? Ich würde uns schon eigentlich “Abreißer” nennen. Ich sag mal, gib uns mal den Slot. Sechs Stunden später, ja? Dann reden wir noch mal.
CRJ: Du sprichst es an, wir sind beim Highfield. Das ist ein linkes, offenes, diverses Festival, Veranstaltung. Ihr passt da natürlich vollkommen rein. Das ist nicht die Frage. Wie viel Politik braucht es in der Musik, in der Kunst? Manche meinen, das muss man trennen. Aber das hat ja eigentlich hier total seinen Platz, ne?
Rosmarin: Ja. Also ich finde, trennen muss man das nicht unbedingt. Das gehört halt schon dazu. Aber man muss auch ganz klar sagen, unsere Mucke ist einfach nicht so politisch. Wir machen keine politische Musik. Aber natürlich sollte man eine gewisse Haltung und auch eine Meinung haben und auch laut sein, wenn man die Bühne hat. Auf jeden Fall.
CRJ: Welche Botschaft wollt ihr ansonsten mit eurer Musik vermitteln? Das junge Leben genießen?
Tanzt, Leute! Tanzt, Alter! Was los? Unsere Musik ist echt nicht so deep. Wir sind eine Festivalband und wir tanzen. Und auch wenn man uns nicht kennt, kann man dazu abgehen.
CRJ: Ist das denn eine Sache, wo ihr gedacht habt, in drei Jahren ist das alles irgendwie so möglich? Habt ihr das manchmal nicht ganz realisiert? Einfach auch Glück gehabt dann in dem Sinne?
Rosmarin: Ich glaube, es gibt Musik, die funktioniert, weil sie zur richtigen Zeit kommt. Und ich glaube, wir haben die richtige Musik zur richtigen Zeit gemacht. Und es ist nicht: ‘Wir sind geiler als irgendjemand anders, deswegen spielen wir hier.’ Und auch Glück gehabt und richtiger Zeitpunkt.
CRJ: Wichtige Frage natürlich auch: Auf die Pizza. Ananas oder Rosmarin?
CRJ: Aber kurz: Wie kamt ihr drauf? Einfach mal, wir haben die Küche durchgeschaut. Was klingt geil?
Rosmarin: Den Namen, weißt du? Ey, das ist so eine random Story eigentlich. Es gab so einen Imbisswagen, den es immer so vorm Rewe gibt. Und die Jungs kommen alle aus einem Ort. Und da war so ein Hähnchenwagen, der hieß Rosmarin-Grill. Okay. Und dann waren wir so, yo, das ist sau witzig: Rosmarin irgendwie. Dann war’s das.
Rosmarin: Ananas. Ich finde Ananas geil. What? Tot! Nein! Rosmarin oder Ananas? Nein, auf keinen Fall. Ja, Rosmarin safe.
CRJ: Lieber für die Zukunft vielleicht auch so auf Festivals spielen oder selbst die Konzerthallen einfüllen?
Rosmarin: Eigentlich am Ende eher selber, obwohl Festivals auch krass geil sind. Aber schon selber.
CRJ: Geht Silas im Proberaum genauso ab wie da oben auf der Bühne?
Rosmarin: Ja. Doch. Manchmal schon. Manchmal schon. Ja, manchmal schon. Nach so sechs Stunden Probe ist schon. Ey, manchmal wird man blöd. Manchmal, also vor allem wir zusammen werden echt blöd. Das ist crazy, ja.
CRJ: Ihr geht auf Tour im Frühjahr. Nennt mal drei Gründe, weshalb man da unbedingt vorbeischauen sollte:
Rosmarin: Tanzen. Lukas ist auch da. Grund zwei. Ich bin da. Lukas ist da. Und wir können zusammen anstoßen. Genau. Das ist auch schön.
CRJ: Ist das schon so ein Grundsatz von euch? Nähe, Nahbarkeit?
Rosmarin: Klar, ist ja auch ein bisschen peinlich, wenn man dann so denkt, man wäre jetzt sonst wer. Wir sind halt auch nur irgendwelche Atzen. Und wir finden es manchmal sogar schon komisch, dass man sowas wie Fans hat. Das fühlt sich irgendwie komisch an. Aber wir chillen am Merchstand nach den Shows und quatschen und labern und Zeugs.
CRJ: Dann die Abschlussfrage: Wo soll es für euch jetzt noch hingehen? Was habt ihr da auf dem Zettel?
Rosmarin: Vielleicht haben wir da so ein kleines Album am Start, was eventuell rauskommt. Vielleicht auch vor der Tour. Vielleicht. Ja, wir haben ganz viel Musik gemacht. Das ist auf jeden Fall gerade so. Wir sind voll im Studio und Musik machen und schreiben und so. Ja, und sonst dann Wuhlheide. Genau. Max-Schmeling-Halle. Max-Schmeling-Halle, ja. Eins von beiden zumindest.
CRJ: Aber kommt jetzt auch, bevor es dann richtig losgeht wieder im neuen Jahr, nochmal ein bisschen Break. Kurze Pause?
Rosmarin: Muss. Muss auf jeden Fall. Also gerade für die Tour. Wir haben ja echt so einen sehr hohen Anspruch an uns und deshalb werden wir auf jeden Fall komplett ein neues Set bauen. Anderthalb Stunden. Und da werden wir im Winter nochmal viel schreiben.