Fast-Fashion vs. Slow-Fashion? Welche Folgen unser Kleidungskonsum hat und welche Alternativen es beim Thema Kleidung gibt, findet ihr hier. Ein Interview mit dem Mitgründer der nachhaltigen Marke Nordlicht gibt interessante Einblicke.
Das Sommersemester könnte nicht besser beginnen: 13 Grad und Sonne am ersten Tag. Ein Traum! Der Frühling hat sich offiziell angemeldet und wird voraussichtlich auch erst einmal nicht wieder verschwinden. Das dunkle Wintertief ist überwunden, sodass Mütze, Schal und Winterjacke nun endlich in die letzte Ecke des kleinen WG-Zimmers verbannt werden können. Gerade in der Übergangszeit passt man seinen Kleiderschrank meist wieder sommerlicher an. Bedeutet eine neue Jahreszeit auch gleich neue Kleidung?
Mode und die Frage nach der passenden Kleidung sind schon immer Teil unserer Gesellschaft gewesen. Sie haben ganze Generationen geprägt und im wahrsten Sinne des Wortes bekleidet. Kleidung und der „eigene Stil“ sind Teil der Selbstidentität und daher für viele ein wichtiges Thema.
Doch durch die Globalisierung sind neue Trends und Kollektionen heute viel schneller in den Schaufenstern als früher. Unter anderem deswegen entstand der Begriff „Fast Fashion“. Manche Kleidungsstücke werden nur noch für eine Saison getragen, da im nächsten Jahr schon wieder der nächste Trend winkt. Die Auswirkungen von Fast Fashion tragen jedoch selten die Konsumenten, sondern meist die Länder, in denen die Kleidung produziert wird.
Schlechte Bezahlung, unmenschliche Arbeitsbedingungen, der hohe Einsatz von Pestiziden beim Baumwollanbau, sowie die Überlastung der Kläranlagen durch den starken chemischen Einsatz sind Teil der Massenproduktion von Fast-Fashion-Kleidung. Ein Beispiel für die verheerenden Folgen von schlechten Produktionsbedingungen ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch vor einigen Jahren. Bei dem Unfall starben über 1000 Menschen und um die 2000 wurden verletzt. Auch europäische Firmen wie C&A oder Primark produzierten dort. Nicht nur die Arbeitsbedingungen sind schlecht: Durch Fast-Fashion bleibt die Qualität meist auf der Strecke. Ein Kreislauf also: Schlechte Saisonware wird schnell entsorgt, da sie nicht lange hält, und man braucht im nächsten Jahr ohnehin neue Kleidung. Wie entkomm ich diesem Kreislauf?
An dieser Stelle kommt der Slow-Fashion Ansatz ins Spiel. Der Begriff entstand als Gegenbewegung zu Fast Fashion. Wie viele andere Firmen auch, verfolgt die Hamburger Firma Nordlicht einen „Slow-Fashion“-Ansatz. Nico, Mitbegründer von Nordlicht, hat meine Fragen zum Ansatz der Firma beantwortet.
Die Motivation, Nordlicht zu gründen und eine nachhaltige Kleidungsmarke aufzubauen, entstand durch die bekannten Mängel der Modeindustrie in Bezug auf Qualität und Produktion. Nachhaltigkeit war für Nico nicht nur ein Zusatz, sondern die Grundlage der Firmenidee. Im Vergleich zu anderen Modeproduktionen stellt Nordlicht seine Kleidung in Portugal her. Durch regelmäßige Besuche vor Ort stellt die Firma sicher, dass die besagten nachhaltigen Standards eingehalten werden und gute Arbeitsbedingungen herrschen. Darüber hinaus sind die Produkte von Nordlicht mit einem GOTS-Zertifikat versehen. Textilien mit diesem Siegel müssen hohe Standards in Bezug auf umweltfreundliche, schadstoffarme und sozialverträgliche Herstellung erfüllen. Gerade im Onlinehandel sind Retouren ein großes Thema, da die Kosten für Reinigung und Aufbereitung für Fast-Fashion-Brands zu hoch sind. So landen Produkte, die Kunden zurückschicken, im Müll. Auch für dieses Problem versucht Nordlicht eine Lösung zu finden. Durch klare Produktbeschreibungen und Passformhinweise soll es gar nicht erst zu Rücksendungen kommen. Falls doch, werden die zurückgesendeten Waren laut Nico geprüft und wieder in den Verkauf aufgenommen. Aber wie sieht es eigentlich aus? Wie kommt Slow-Fashion bei den Nutzenden an? Laut Nico ist kein einheitlicher Trend für nachhaltige Kleidung zu erkennen. Einerseits steigt das Interesse der Menschen, bewusster einzukaufen. Andererseits sei der hohe Preis der Kleidung von Nordlicht für viele Menschen ein Faktor.
Ob im Kleidungsgeschäft, im Supermarkt oder im Drogeriemarkt: Wir tragen mit unserem Konsum Verantwortung und müssen uns dessen bewusst werden. Dieser Beitrag ist keine Kaufempfehlung für Kleidung bestimmter Firmen. Vielmehr soll er unseren Blick auf die täglichen Themen erweitern, die uns Studierende mehr oder weniger betreffen.
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